Recht auf Eigentum aus der Sicht des Egalitarismus
Abstract
Welche Theorie(n) bzw. Auffassungen eines Rechts auf Eigentum werden im gerechtigkeitstheoretischen Egalitarismus vertreten? Spezifischer stellt sich die Frage: Lässt der Egalitarismus als eine Theorie der Gleichverteilung Eigentumsrechte überhaupt zu oder schränkt er sie nur stark ein, um Umverteilung zu ermöglichen? Zur Beantwortung dieser Frage wird zuerst der Egalitarismus näher bestimmt. Sodann wird zweitens bestimmt, was Eigentum ausmacht, um dann auf die eigentumstheoretischen Aspekte im Egalitarismus eingehen zu können. Dazu wird drittens gezeigt, dass und warum es für die dominante Rawls’sche Version des Egalitarismus keine moralischen Ansprüche auf Eigentum vor den Ergebnissen der Umsetzung (s)einer übergeordneten Gerechtigkeitstheorie gibt. Anschließend wird auf zwei egalitäre Alternativen zur Rawls’schen Verteilungsgerechtigkeit eingegangen, nämlich die linkslibertäre (im vierten Abschnitt) sowie die linksliberale Eigentumstheorie (im fünften Abschnitt). Die linkslibertäre Auffassung argumentiert mittels einer naturrechtlichen und die (links-)liberale Auffassung mittels einer moralischen Begründung für Freiheits- und Eigentumsrechte als grundlegend. So gelangen beide auf unterschiedlichen Wegen zu egalitaristischen Implikationen für ihre Eigentumsauffassungen.
What theory or conception of property rights does egalitarianism as a theory of justice advocate? More specifically, as a theory of equal distribution, does egalitarianism allow for property rights at all, or does it severely restrict them in order to allow for redistribution? To answer this question, we first need to define egalitarianism. Second, it is necessary to determine what constitutes property in order to be able to address the property-theoretical aspects of egalitarianism. Third, it will be shown for the dominant Rawlsian version of egalitarianism that and why there are no moral claims to property before the results of the implementation of a higher ranking theory of justice. Two egalitarian alternatives to Rawlsian distributive justice are then discussed, namely the left-libertarian (in the fourth section) and the left-liberal (in the fifth section) theories of property. The libertarian view argues for freedom and property rights on the basis of natural law, while the (left) liberal view does so on the basis of morality. In this way, both arrive at egalitarian implications for their concepts of property by different routes.